Säbelzahn is still going strong

Briefe / Mitteilungen
Ausgabe
2017/04
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2017.05335
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(04):104

Publiziert am 24.01.2017

Säbelzahn is still going strong

Zum Beitrag von Oertle D. Die Hausärzte sterben aus: Na und? Schweiz Ärztezeitung 2016;97(51–52):1804–5.

Der Hausarzt hat viele Briefe, Mails, SMS bekommen. Jetzt tun ihm die Schultern weh ob dem vielen Klopfen darauf. Er freut sich über das Lob und wird traurig, weil ihm viele ältere Kollegen schreiben, ja, genauso sei es doch mit den neuen Patienten und derentwegen hätten sie schliesslich ihren geliebten Beruf an den Nagel gehängt und dass sie froh darob seien, weil sie so nicht mehr hätten Tokter sein ­wollen etc.
Jemand schreibt dem Hausarzt, er müsse halt flexibler werden und sich den neuen Medien stellen. Der Hausarzt nimmt sich das sehr zu Herzen. Als er nachts wieder einmal nicht schlafen kann, versucht er sich flexibel ganz flach zu machen, noch flacher: bis er auf dem Display eines Smartphones Platz findet. Es ­gelingt schliesslich ziemlich gut. Aber als ihm jemand mit dem Daumen über den Bauch streicht, um ihn aufzurufen, da erschrickt er sehr. Er will jetzt doch kein App werden.
Ein Kollege schreibt dem Hausarzt, der Hinweis auf die Cumulus-Karte sei ein Hüftschuss unter die Gürtellinie. Das ist schwierig zu ­beurteilen. Die letzte Consensus Conference konnte sich nicht auf eine international gültige Höhe der Gürtellinie einigen, so dass viele Menschen diese direkt unter der eigenen ­Nasenspitze ansiedeln. Den Seitenhieb gegen den neuen grossen Player im Gesundheits­wesen will der Hausarzt sich nicht verbieten lassen. Dem Riesenkonzern gehören ein guter Teil aller Läden für Lebensmittel und alle ­anderen Waren, es gehören ihm eine Bank, Tankstellen, Schulen, Fitnesscenter, Golfplätze, Check-up-Kliniken, Wohnungen, eine Ferienfirma, eine Telecombude – wahrlich ein umfassendes Angebot. Eine Geburtsklinik und ein Friedhof fehlen noch – doch in der Zeit ­dazwischen kann man sich getrost dem orangen Riesen anvertrauen. Wenn nun diese ­Holding auch auf die Gesundheitsdaten Zugriff hat und diese mit denen der Cumuluskarte abgleicht – dann schliesst sich der Kreis und alles wird gut. Den Hausarzt fröstelt es.
Eine junge Kollegin schreibt dem Hausarzt, er sei zu pessimistisch. Das will er keinesfalls sein. Nein, der Hausarzt ist ein begeisterter Hausarzt, der an die Hausarztmedizin glaubt. Er pflegt in seiner Praxis die ganze Wertschöpfungskette Student – Tutoriand – Uhu – Assistent – Hausarzt in spe und bleibt dank dieser jungen Menschen gelassen zuversichtlich.

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