Neues Menschenbild – so nicht!

Briefe / Mitteilungen
Ausgabe
2018/24
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2018.06841
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(24):798

Publiziert am 13.06.2018

Neues Menschenbild – so nicht!

Kollege P. van Spijk formuliert für ein neues Menschenbild drei Punkte:
erstens: der Mensch ist keine Maschine; zweitens: der Mensch hat keine Seele; drittens: das menschliche Leben ist in ständigem Werden begriffen.
Dazu einige Gedanken:
Zu Punkt eins und drei: Sind völlig klar, können nicht genug betont werden.
Der Mensch ist keine Maschine, kein Mechanismus, sondern ein Organismus.
Ein defekter Mercedes, ein Audi ist, unbehandelt, nach Wochen noch derselbe.
Eine Krankheit heute ist nach Stunden, Tagen etwas anderes. Deshalb ist ja Klage gegen den vorbehandelnden Arzt so fragwürdig: Wie war damals das Krankheitsbild?
Manchmal vergisst die Krankheit, im Lehrbuch nachzuschauen (heute: in evidence-based medicine), wie der unvergessliche Lehrer Prof. Wilhelm Löffler zu sagen pflegte.
Ganz zu schweigen von der subjektiven Bedeutung einer krankhaften Störung für den Patienten: Eine Fussfraktur ist für einen ­Fussballer etwas anderes als für einen Bürolisten …
Zu Punkt zwei: Der Mensch hat keine Seele, ein Etwas – «Seele» genannt – entbehre der Empirie, nach Meinung van Spijks.
Die Empirie, die Erfahrung, jedoch lehrt das Gegenteil: Wo sind ur-menschliche Begriffe wie Schönheit, Religion zu finden, wenn nicht in der Seele, wo denn sonst? Nirgends im Tierreich.
Die Schönheit der Farben, blau oder rot, die Schönheit der Musik, Bach oder Rolling Stones, ist nicht 0/1 digital fassbar. 
Mystik, geheimnisvoll, im weitesten Sinne ­religiös, ist ebenso ausschliesslich dem Menschen, jedem Menschen zustehend: den Religiösen Maria von Fatima, die Luther-Bibel; den Freidenkern die Bovis-Einheiten der Kraftorte, die astrologischen Sätze der Madame Teissier …

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