QBM – Stiftung für Qualitätsentwicklung in der ambulanten Medizin

Veränderung initiieren – Entwicklung ermöglichen

FMH
Ausgabe
2018/40
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2018.17166
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(40):1356-1357

Affiliations
a Dr. med., Stiftungsratspräsident und Projektleiter QBM (bis Juni 2018) / Co-Präsident Verband Deutschschweizer Ärztegesellschaften 2003 – März 2015;
b Prof. Dr. phil., Leiter Kompetenzzentrum Qualitätsmanagement, Berner Fachhochschule, Bern; c Wissenschaftlicher Mitarbeiter Kompetenzzentrum Qualitätsmanagement, Berner Fachhochschule, Bern; d Dr. med., Stiftungsratspräsident QBM (ab Juli 2018)

Publiziert am 03.10.2018

«Quality is never an accident. It is always the result of intelligent effort.» Der Brite John Ruskin hat schon im 19. Jahrhundert festgestellt, dass Qualität nicht ohne ­intelligente Anstrengung zu erreichen ist.
Wie können Gewohnheiten von Ärztinnen und Ärzten verändert werden? Welche Strategien und Interventionen sind am erfolgreichsten? Auf der Suche nach Antworten hat eine Gruppe kanadischer Forscher 138 Reviews mit total 3502 Studien systematisch analysiert und ausgewertet (Chauhan et al. 2017). Ihre Ergebnisse mit dem Fokus auf Hausarztmedizin zeigen, dass kollabo­rative und teamorientierte Strategien (gemeinsam mit den medizinischen PraxisassistentInnen und PharmazeutInnen) am effektivsten sind, um nach­haltige Veränderungen zu erwirken. So kann Wissen erweitert, Screening-Raten und Verschreibungen kön­ne­n optimiert, Patientenergebnisse verbessert und negative Auswirkungen vermindert werden. Umgekehrt haben finanzielle Anreize keinen Einfluss auf längerfristige Verhaltensänderungen (Chauhan et al. 2017).
Die Ergebnisse dieser Studie untermauern das Qualitätsverständnis des Qualitäts-Basis-Moduls (QBM), das seit mehr als 10 Jahren von Ärzten für Ärzte erfolgreich gepflegt wird. Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte werden durch andere Teilnehmende dazu angeregt, liebgewonnene Prozesse und Praktiken zu hinterfragen und zielgerichtete Entwicklungen zu initiieren. Im QBM kommen nicht nur die Ärztinnen und Ärzte zu Wort, sondern auch die Patientinnen und Patienten und die medizinischen Praxisassistentinnen (MPAs). Die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten, MPAs, MPKs und externen Fachkräften wird gefördert und gestärkt, und gemeinsam werden effiziente Lösungen für die Herausforderungen der Praxis erarbeitet.
Das QBM ist kein ‹tickmark exercise› – keine Übung zum Abhaken. Qualität ist mehr als nur die Erfüllung von Mindeststandards und soll nicht innert weniger Monate «abgehakt» werden dürfen, um anschliessend zwei Jahre in einer Schublade zu ruhen. Deshalb erstellt das QBM keine Zertifikate, sondern Qualitätsbescheinigungen, die erst nach zweijähriger Teilnahme an Onlinebefragungen und Qualitätsworkshops ausgestellt werden. An den Workshops steht der Austausch mit Berufskolleginnen und -kollegen, mit MPAs, MPKs und mit Fachexperten im Vordergrund. «Best Practices» der kollaborativen Zusammenarbeit in der Praxis der ambulanten Medizin werden diskutiert und er­arbeitet.
Das QBM wird geschätzt. Dies hat eine interne Eva­luation der Berner Fachhochschule BFH (wissen­schaftliche Begleitung des QBM) aufgezeigt. 90% der teil­nehmenden Ärztinnen und Ärzte sind mit dem Qualitätsinstrument teilweise zufrieden bis sehr zufrieden. 85% geben an, dass sie mit QBM die Qualität ihrer Arbeit kontinuierlich verbessern können. 93% der Workshop-Teilnehmenden können durch den Workshop persönliche Entwicklungspotentiale erkennen, und 86% empfinden die Qualitätsreports als informativ. ­Individuelle Rückmeldungen bestätigen, dass das vom QBM gepflegte Qualitätsverständnis im Instrument tatsächlich umgesetzt wird und QBM den Ärztinnen und Ärzten einen echten Nutzen erbringt:
«Qualität im Sinne einer stetigen Entwicklung, im Sinne QBM mit Berücksichtigung auch der nicht unbedingt messbaren Kriterien, entspricht optimal den Anforderungen an eine gute Arzt-Patienten-MPA-Kommunikation!»  Teilnehmender Arzt QBM
«QBM lohnt sich, ist tauglich für Grundversorgung und Praxisalltag, integriert auch nichtärztliche Mit­arbeiter und bringt unerwartete Einsichten und Verhaltensänderungen für die tägliche Arbeit als kontinuierlichen Prozess.» Teilnehmender Arzt QBM
Auch das QBM ist Gegenstand laufender Qualitätsentwicklung. Neben allgemeinen Bewertungen hat die Evaluationsbefragung auch Verbesserungsvorschläge und Entwicklungspotential aufgezeigt. Auf der Wunschliste der Teilnehmenden standen die interaktive Darstellung der Daten, der verstärkte Einbezug der MPAs sowie ein an Aktualitäten angepasstes Indikatorenset. Viele dieser Anliegen wurden mit der Modularisierung des QBM (s. Box) mittlerweile umgesetzt: Es gibt ein Gruppenpraxismodul, die Werte wichtiger Indikatoren werden zusammengefasst, und das modulare Indikatorenset wird dynamischer. Zukünftig werden MPAs und MPKs stärker miteinbezogen und die Reports noch übersichtlicher gestaltet.

Das QBM wird aufgefrischt – QBM 2.0

Das Qualitätsbasismodul (QBM) wurde durch den Verband Deutschschweizer Ärztegesellschaften von Ärztinnen für Ärzte (VEDAG) als Qualitätsentwicklungsinstrument im ambulanten Bereich entwickelt und 2017 in die «QBM – Stiftung für Qualitätsentwicklung in der ambulanten Medizin» überführt. Seit 2012 können interessierte Ärzte drei verschiedenen Stufen absolvieren, bestehend aus Onlinesequenzen (Stufen 1 und 2) und gegenseitigen Praxisvisitationen (Stufe 3). Die Erhebungsphasen finden pro Jahr zwei Mal während neun Wochen statt. Der Zeitaufwand beträgt nur wenige Minuten pro Woche und ermöglicht den praktizierenden Ärztinnen und Ärzten eine Standortbestimmung hinsichtlich der eigenen Qualität. Qualitätsworkshops runden die Erhebungsphasen ab und ermöglichen den Austausch der Ärzte, MPAs und MPKs untereinander.
Gestiegene Komplexität und technologische Entwicklungen haben eine Erfrischungskur notwendig gemacht. Die QBM-Onlinesequenzen werden ab der nächsten Erhebungsphase (Start 15. Oktober) benutzerfreundlicher, intuitiver und dynamischer. Die Dateneingabe ausgewählter Indikatoren wurde verkürzt und sinnvoll zwischen Arzt und MPA aufgeteilt. Andererseits werden die Onlinesequenzen für die MPAs der Stufe 2 zukünftig obligatorisch. Im kommenden Jahr werden die Reports erneuert und erhalten ein frisches Gesicht.
Das QBM wird von der Ärztekasse unterstützt. Darüber hinaus wird es zunehmend auch als praxisorientiertes und praxistaugliches Qualitätsoptimierungsinstrument geschätzt. Namhafte Krankenversicherer anerkennen QBM als gleichwertiges Instrument im Vergleich zu den bisherigen Qualitätsprogrammen. QBM ist eine der von der SAQM erfassten Qualitätsinitiativen.
Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit weiteren Mitgliedern der QBM-Steuerungsgruppe (Jörg Fritschi, Bruno Dillier, Aldo Kramis).
www.qbm-stiftung.ch
christoph.gehrlach[at]bfh.ch
Chauhan BF, Jeyaraman M, Singh Mann A, et al. Behavior change interventions and policies influencing ­primary healthcare professionals’ practice – an overview of reviews. ­Implementation Science. 2017;12(3).

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