DigiSanté – DigiUtopie?

Forum
Ausgabe
2023/49
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2023.1330082375
Schweiz Ärzteztg. 2023;104(49):22

Publiziert am 06.12.2023

Brief zu: Zimmer A. DigiSanté. Schweiz Ärzteztg. 2023;104(43):28-29
Und wieder fallen wohlklingende, hochprofessionelle Worte wie «vernetzte Digitalisierung», «EPD» oder «Interoperabilität». Doch etwas Wesentliches fehlt dabei. Welcher Aspekt wird in allen Diskussionen über die Digitalisierung konsequent gemieden? Welcher ist der offensichtliche Grund für die Probleme und Verzögerung der Digitalisierung? Es sind die Finanzen! Es geht in jedem Fall um das «liebe Geld». Unsere ärztlichen Tarife sind seit Jahrzehnten eingefroren. Bei allen Diskussionen über die Vergütung der ärztlichen Leistungen wird ständig von «Kostenneutralität» geredet. Nur die gewünschte Digitalisierung kostet viel und immer mehr. Bei der Gründung unserer Gruppenpraxis (vier Ärzte) haben wir vor neun Jahren über 100 000 Franken für die Digitalisierung investiert. Obwohl wir uns für die «beste» Lösung entschieden, schützte uns dies kaum von Pannen und Zusatzkosten. Unser Software-Anbieter geht natürlich mit dem Zeitgeist und löste vor drei Jahren die «uralte» Serverlösung mit der «zeitgemässen» Cloud Lösung ab. In diesem Zusammenhang sollten wir unsere Hardware (circa 12 PC) «updaten». Gross war die Überraschung, als sich herausstellte, dass unsere sechsjährigen Computer sich kaum anpassen lassen – «EDV Schrott», meinte unser IT-Spezialist. Wir mussten also nicht nur die neue Software, schnelles Internet, sondern auch alle unsere Geräte ersetzen. Kostenpunkt 50 000 Franken! Darüber hinaus wechselte unser Lieferant auf die monatlichen Lizenzgebühren pro Benutzer. Somit gibt es jetzt neben den ungeplanten Anschaffungen monatliche Zahlungen von fast 2000 Franken. Ab Januar wird auch dieses Service teurer. Mangel an Fachkräften, Teuerung und Sicherheitsmassnahmen – so der Lieferant in der Begründung der Preiserhöhung. Darüber hinaus: Jede technische Unterstützung, jede Anfrage werden uns extra belastet – diese sogenannten «Tickets» kosten uns zusätzlich 200 Franken pro Monat. Fazit: Digitalisierung stellt auch für unsere Branche ein hehres Ziel dar, aber die IT-Systeme werden immer komplexer und kostspieliger. Daher sind Diskussionen über die Digitalisierung ohne Berücksichtigung der finanziellen Aspekte aus meiner praktischen Erfahrung eine reine Utopie!
Dr. med. Cesar Winnicki, Aeskulap Praxis, Zug