Replik auf «DigiSanté – DigiUtopie?»

Forum
Ausgabe
2023/49
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2023.1330276564
Schweiz Ärzteztg. 2023;104(49):22

Publiziert am 06.12.2023

Ich danke Ihnen sehr für Ihren Leserbrief. Wie Sie richtig erwähnen, werden die IT-Systeme in den Spitälern und Arztpraxen immer aufwendiger und komplexer. Der Grund liegt aber darin, dass wir im Gegensatz zu früher wesentlich mehr Daten verarbeiten und uns wesentlich mehr diagnostische Geräte zur Verfügung stehen, die über technische Schnittstellen an die elektronische Krankengeschichte angebunden werden müssen. Dies bedingt Investitionen in die Infrastruktur, die in unserem veralteten Tarif TARMED, der mit Daten aus den 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts berechnet wurde, natürlich nicht abgebildet sind. Eine gewisse Verbesserung würde hier der neue ambulante Tarif TARDOC bieten, dem aktuellere Infrastrukturkosten hinterlegt sind.
Das Krankenversicherungsgesetz setzt allerdings voraus, dass die Einführung eines neuen Tarifs keine Mehrkosten verursachen darf (Art. 59c Abs. 1c KVV). Jedoch ist es mit Einführung eines neuen Tarifs sehr wohl möglich, die Relationen unter den verschiedenen medizinischen Leistungen neu zu gewichten und damit auch eine sachgerechtere Abgeltung einzelner Leistungen zu erhalten. Insbesondere bietet ein neuer Tarif auch die Möglichkeit, bisher nicht tarifierte Leistungen abzubilden und damit, im Gegensatz zu TARMED, eine regelmässige Pflege und Weiterentwicklung des Tarifs zu gewährleisten.
Ich kann zudem Ihren Unmut in Bezug auf die Probleme und Kosten der elektronischen Krankengeschichte gut nachvollziehen. Insbesondere bei der Nutzung von elektronischen Krankengeschichten in der Cloud hat die FMH Verhandlungen mit Softwareanbietern geführt und einen Rahmenvertrag für Cloud-Dienste erarbeitet und publiziert. In diesem Vertrag sind nicht nur die Haftungsbestimmungen ausgewogen, welche heute leider einseitig zugunsten der Anbieter ausfallen. Auch die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit sowie eine zulässige Preiserhöhung sind darin gemäss aktuellem Datenschutzgesetz festgelegt [1]. Zu einseitig sind oftmals die Vertragsbedingungen, die wir akzeptieren müssen. Auch die Anbieter wissen, dass nach Einführung eines neuen Praxisinformationssystems ein Wechsel mit einem hohen Aufwand verbunden ist.
Dr. med. Alexander Zimmer, Mitglied des FMH-Zentralvorstandes und Departementsverantwortlicher Digitalisierung / eHealth