Hautkrankheiten in der Pädiatrie

Schwerpunkt
Ausgabe
2023/19
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2023.21726
Schweiz Ärzteztg. 2023;104(19):66-67

Publiziert am 10.05.2023

Kinderdermatologie Dr. med. Christina Bürgler, Oberärztin Dermatologie am Inselspital Bern sprach an den Swiss Derma Days 2023 über die häufigsten dermatologischen Krankheitsbilder in der ambulanten Praxis, die nicht versäumt werden dürfen.
In den ersten Lebensjahren können zahlreiche dermatologische Krankheitsbilder auftreten – diese führen oft zu einer starken Verunsicherung der Eltern. Die Haut von Kindern weist eine höhere Verletzbarkeit, Sonnenempfindlichkeit und Empfindlichkeit gegenüber Irritation im Vergleich zu Erwachsenen auf. Kinder präsentieren sich daher häufig mit Bläschen, Pusteln oder Ekzemen. Diese können eine primäre blasenbildende Hauterkrankung, aber auch Zeichen systemischer Erkrankungen sein und oft differenzialdiagnostische Herausforderungen darstellen.

Gutartige Tumore

Infantile Hämangiome bilden sich in den meisten Fällen spontan wieder zurück, können aber Veränderungen der Haut oder des Unterhautgewebes hinterlassen. Es handelt sich um angeborene oder in den ersten Lebenswochen entstehende Gefässtumoren. «Zur Beurteilung, ob nicht doch eine Therapie eines Hämangioms notwendig ist, empfiehlt sich folgende Faustregel: Das Alter in Monaten entspricht dem empfohlenen Reevaluationsintervall in Wochen,» so Dr. Bürgler.

Hochansteckende Viren

Die Hand-Fuss-Mund-Krankheit ist eine ansteckende, weitverbreitete und meist harmlose Viruserkrankung. Sie ist selbstlimitierend und betrifft vorwiegend Kinder unter 10 Jahren, kann aber auch bei Erwachsenen auftreten. Die Krankheit wird durch Coxsackie-A-Viren übertragen. Eine weitere virale Erkrankung ist das Molluscum contagiosum – sie verursacht kuppelförmige, glatte oder wachsartige Knoten. Therapeutisch ist eine befeuchtende Basispflege empfohlen. «Oft bilden sich diese Dellwarzen nach einiger Zeit spontan zurück. Ist der Befall gross, können sie vom Arzt entfernt werden. Bei schweren Verläufen kann topisches Kaliumhydroxid eingesetzt werden,» sagt Dr. Bürgler.

Verschiedene Erscheinungsbilder von Ekzemen

Das Eczema herpeticum ist eine disseminierte Infektion mit dem Herpesvirus, der Krankheitsbeginn oft sehr plötzlich und die Kinder wirken sehr krank. Durch die Virämie oder durch eine sekundäre Bakteriämie kann diese Krankheit zum Tod führen. Therapeutisch sollte früh mit Valacilovir oder Aciclovir begonnen werden. Beim Eczema coxsackium sollte ein Abstrich abgenommen werden, um es vom Eczema herpeticum zu unterscheiden. Das Coxsackium-Ekzem ist eine enterovirale Infektion, die typischerweise Kinder mit atopischer Dermatitis betrifft. Es ist gekennzeichnet durch einen Ausbruch von Bläschen, Blasen und Erosionen, die Bereiche mit aktiver oder inaktiver atopischer Dermatitis betreffen, so Dr. Bürgler. Als erste zielgerichtete Systemtherapie hat Dupilumab, ein monoklonaler Antikörper, die Zulassung für Kinder ab 6 Jahren mit einer mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis in der Schweiz erhalten.
Die Haut von Kindern weist eine höhere Verletzbarkeit im Vergleich zu Erwachsenen auf.
© Anna Shvets / Pexels

Infantile Akne: Alter entscheidend

Die infantile Akne muss von der neonatalen Akne unterschieden werden, die als häufige Erkrankung des Säuglings innerhalb der ersten drei Lebensmonaten zu bewerten ist. Die physiologisch erhöhte Androgenproduktion, welche erst nach dem dritten Lebensmonat auftritt, kann zur infantilen Akne führen. Diese Form der Akne hinterlässt Narben - topische oder sogar systemische Behandlungen sind deshalb klar notwendig. Tritt eine Akne bei 2-jährigen bis 12-jährigen Kindern auf, sollte das Kind an einen Endokrinologen weiterverwiesen werden. Differentialdiagnostisch ist das Krankheitsbild von der Keratosis pilaris (Reibeisenhaut) abzugrenzen. Hierbei verstopfen tote Hautzellen die Haarfollikel und führen so zu kleinen Papeln.

Selten, aber mit schwerwiegenden Folgen: Morphea

Eine weitere Krankheit im Kindesalter, die an den Swiss Derma Days in einem weiteren Referat vorgestellt wurde, ist die lokalisierte Sklerodermitis, auch Morphea genannt. Sie beginnt typischerweise im Kindesalter. Durch eine Kollagenvermehrung kommt es zu einer Verhärtung und Verdickung der Haut. Im Kindesalter trifft man vorwiegend lineare, bandförmige Formen an, die oft im Gesicht beginnen. Die etwas älteren Begriffe «en coup de sabre» und Parry-Romberg-Syndrom gehören zum gleichen Krankheits-Spektrum. Morphea ist in der Regel eine klinische Diagnose und kann durch eine körperliche Untersuchung bestätigt werden. Einige Patienten und Patientinnen benötigen jedoch eine Hautbiopsie, einschliesslich subkutanem Fettgewebe, um die Diagnose zu bestätigen. Aktuell wird ein genetisches Mosaik mit segmentalen Triggern, die wie ein kutanes Mosaik reagieren und Entzündungen generieren, als Auslöser der Krankheit vermutet [1]. Ein persistierendes Erythem unter dem Auge kann ein erstes Zeichen für Morphea sein, ganz typisch auch mit Verlust der Wimpern. Auch Alopezien im Kindesalter können auf eine Morphea hinweisen. Patienten und Patientinnen mit Läsionen in Kopfregionen zeigen oft neurologische Komplikationen (Migräne, Kopfschmerzen aber auch vaskuläre Veränderungen), ein MRT mit Kontrastmittel ist daher Pflicht beim Befall vom Gesicht [2]. Da Gewebeschäden früh im Krankheitsverlauf auftreten, ist eine schnelle Diagnose und der Beginn einer geeigneten Behandlung entscheidend. Eine rein topische Therapie empfiehlt sich nur zur Behandlung der oberflächlichen Plaque-Morphea mit geringer Ausdehnung. Bewährt hat sich die ärztlich kontrollierte Lichttherapie (superfiziell) – aber auch Kortikosteroide und Methotrexat sind als Erstlinientherapie bei Morphea hochwirksam und führen zu einer teilweisen Rückbildung der Hautmanifestationen. Abatacept scheint ebenfalls eine vielversprechende und gut verträgliche Zweitlinienbehandlungsoption zu sein [3]. Zusätzlich zeigen autologe Fettinjektionen gute Effekte und sollen früh eingesetzt werden.

Für Sie zusammengefasst vom:

Swiss Derma Day and STI Reviews and Updates 2023
11.-12.01.2023
Luzern
1 Weibel L. Lokalisierte Sklerodermie – selten, aber therapiebedürftig. ARS MEDICI 02/2014. https://www.rosenfluh.ch/5752 (abgerufen am 27.03.2023).
2 AWMF Online. S2k Leitlinie Diagnostik und Therapie der zirkumskripten Sklerodermie. Stand 2014.
3 Papara C, et al. Morphea: The 2023 update. Front Med (Lausanne). 2023 Feb 13;10:1108623.