Mammakarzinom – neue therapeutische Ansätze

Schwerpunkt
Ausgabe
2024/08
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2024.1366582437
Schweiz Ärzteztg. 2024;105(08):64-66

Publiziert am 21.02.2024

Mammakarzinom
Im Rahmen des SOHC-Kongresses, nahmen sich Prof. Schneeweiss, Prof. Huober und PD Dr Zaman den therapeutischen Entwicklungen des metastasierten triple-negativen und des Hormonrezeptor-positiven/HER2-negativen metastasierten Mammakarzinoms an.

Behandlung des metastasierten triple-negativen Mammakarzinoms (mTNBC) – aktuelle Studiendaten

Aktuelle Studiendaten zur Behandlung des Mammakarzinoms.
© Norbert Dr. Lange / Dreamstime
Prof. Huober, aus St. Gallen, hat in seinem Vortrag die aktuellen Studiendaten zur Therapie des mTNBC zusammengefasst. In der Phase-III-Studie IMpassion 130 erhielten mTNBC-Betroffene in der 1. Linie nab-Paclitaxel (NP) plus Atezolizumab, einen Inhibitor des programmierten Zelltodliganden 1 (PD-L1), oder stattdessen NP + Placebo [1]. Der PD-L1-Status wurde mittels positiver Immunzellen (IC) bestimmt. Bei Patienten und Patientinnen mit IC+ (PD-L1≥1 %) verlängerte die zusätzliche Immuntherapie im Vergleich zu NP das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) um 2,3 Monate (7,6 vs. 5,3) und das mediane Gesamtüberleben (mOS) um 7 Monate (25,0 vs. 18,0).
Die Daten von KEYNOTE 355 bestätigen den Vorteil der zusätzlichen Immuntherapie bei positivem PD-L1-Status [2]. In der Phase-III-Studie wurden mTNBC-Patienten in der 1. Linie mit Pembrolizumab, einem Inhibitor des programmierten Zelltod-Proteins 1 (PD1) und einer Chemotherapie (CT) behandelt oder stattdessen mit einer CT + Placebo. Der PD-L1-Status wurde über einen kombinierten positiven Score (CPS) bestimmt. Bei Patienten und Patientinnen, deren Tumor PD-L1 mit einem CPS von ≥10 exprimierte, konnte das zusätzliche Pembrolizumab gegenüber dem Vergleichsarm das mPFS um 4,1 Monate (9,7 vs. 5,6;) und das mOS um 6,9 Monate (23,0 vs. 16,1; p=0,0185) verbessern.
Olaparib, ein Inhibitor der Poly(ADP-Ribose)-Polymerase (PARP), konnte einen Vorteil beim mPFS von 2,8 Monaten im Vergleich zu einer CT zeigen (p<0,001) [3]. In die Phase-III-Studie OlympiAD wurden Betroffene mit einer Keimbahn-Mutation im Breast-Cancer (BRCA)-Gen und Human-Epidermal-Growth-Factor-Receptor-2 (HER2)-negativem mBC eingeschlossen, die zuvor ≤2 CTs erhalten hatten (TNBC rund 50%) [3,4].
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) haben ebenfalls einen festen Platz in der Therapielandschaft des mTNBC eingenommen.
In der Phase-III-Studie ASCENT wurde die Wirksamkeit von Sacituzumab Govitecan (SG) an 529 mTNBC-Erkrankten untersucht, die zuvor bereits ≥2 Linien CT erhalten hatten. Unter dem ADC wurde im Vergleich zu einer CT ein um 3,1 Monate längeres mPFS (4,8 vs. 1,7; p<0,001) erreicht. Das mOS verbesserte sich unter der Therapie mit SG um 4,9 Monate (11,8 vs. 6,9; p<0,001) [5].

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate haben einen festen Platz in der Therapielandschaft des mTNBC eingenommen.

In der Phase-III-Studie Destiny-Breast04 wurde Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) an mBC-Betroffenen untersucht, die vorher 1-2 Linien CT erhalten hatten und deren HER2 Expression niedrig war (unabhängig von der HR-Expression) [6]. In einer explorativen Analyse bei den 58 an mTNBC- Erkrankten in der Studie, konnte das mPFS unter T-DXd im Vergleich zu einer CT um 5,6 Monate (8,5 vs. 2,9) und das mOS um 9,9 Monate (18,2 vs. 8,3) verlängert werden.
Auch die Resultate der Phase-Ib/II-Studie BEGONIA bei der das ADC Datopotamab Deruxtecan in Kombination mit dem Checkpoint-Inhibitor Durvalumab bei nicht vorbehandeltem mTNBC untersucht wurde, geben erste Hinweise auf eine positive Auswirkung auf das mPFS der Kombination[7].

Behandlung des HR+/HER2- mBC

Prof. A. Schneeweiss vom Universitätsklinikum Heidelberg fasste die aktuellen Leitlinien zur Therapie des HR+/HER2- mBC zusammen und veranschaulichte den Einsatz neuer Therapien anhand eines Patientenfalles.
CDK4/6 (Cyclin-abhängige Kinasen 4 und 6) Inhibitoren in Kombination mit einer endokrinen Therapie (ET) gelten mittlerweile als Standard-Initialtherapie bei HR+/HER2- mBC Erkrankten. Exemplarisch wurde hierfür die Phase-II- RIGHT Choice Studie vorgestellt, in der prä- bzw. perimenopausale Patienten und Patientinnen, die an aggressivem HR+/HER2- lokal fortgeschrittenem/metastasierten (adv/m) BC erkrankt waren mit Ribociclib + ET oder mit einer CT-Kombination behandelt [8]. Das mPFS konnte unter Ribociclib + ET im Vergleich zum CT-Regime um 11,7 Monate (24,0 vs. 12,3; p=0,0007) verlängert werden.
Bezugnehmend auf die weiterführende Therapie wurde die EMERALD Studie (PhIII) gezeigt. Hier wurden Betroffene mit Östrogen-Rezeptor positivem (ER+)/ HER2- mBC eingeschlossen, die zuvor mit einer auf CDK4/6 basierenden ET behandelt worden waren [9]. Diese erhielten das über selektiven Östrogenrezeptor-Abbau wirkende Elacestrant oder eine endokrine Standardtherapie. Unter Elacestrant konnte das mPFS bei denjenigen Patienten, die zuvor mindestens 18 Monate einen CDK4/6-Inhibitor erhalten hatten, um 2,2 Monate verlängert werden im Vergleich zur Standard ET (5,5 vs. 3,3). Dabei nahm der Benefit mit wachsender Dauer der vorherigen CDK4/6-Inhibitor-Therapie zu.
In der bereits oben beschriebenen Destiny-Breast04-Studie wiesen 88,7 % (N=494) der Teilnehmenden einen positiven HR-Status auf [6]. Bei diesen Personen verbesserte sich das mPFS unter dem ADC T-DXd im Vergleich zu einer CT um 4,7 Monate (10,1 vs. 5,4; p<0,001). Das mOS verlängert sich um 6,4 Monate (23,9 vs. 17,5; p=0,003).
In der Phase-III-Studie TROPiCS-02 waren die eingeschlossenen Patientinnen und Patienten bereits stark vorbehandelt – alle hatten bereits eine ET, einen CDK4/6-Inhibitor und 2 bis 4 Linien CT erhalten [10,11]. Das ADC SG wurde im Vergleich zu einer weiteren CT untersucht und zeigt einen Vorteil beim mPFS (5,5 vs. 4,0; p=0,0003) welcher auch nach 12 Monaten noch deutlich war [10]. Auch die Verbesserung des Gesamtüberlebens, welches mit einem mOS von 14,4 vs. 11,2 Monaten (p=0,020) im mit SG behandelten Arm gezeigt wurde, blieb im Rahmen der weiteren Studienauswertungspunkte erhalten [11].

CDK4/6-Inhibitoren in Kombination mit einer endokrinen Therapie gelten mittlerweile als Standard-Initialtherapie bei HR+/HER2- mBC Erkrankten.

Die ESMO-Guidelines

In den Guidelines der European Society for Medical Oncology (ESMO) wird unter Berücksichtigung dieser Daten die in Abb. 1 dargestellte Vorgehensweise bei der Behandlung des mTNBC bzw. des HR+/HER2- mBC empfohlen [12].
Abbildung 1: Einsatz der unterschiedlichen Therapien beim mTNBC und HR+ /HER2- mBC gemäss ESMO-Leitlinien (verändert nach [12]).
Dr. med. Ellen Heitlinger ist Gründerin und CEO der medizinischen Kommunikationsagentur
H+O communications Ltd. und The Healthbook Company Ltd. mit Hauptsitz in Zürich.
philip.becker4@gilead.com
1 Emens LA, Molinero L, Loi S, et al. Atezolizumab and nab-Paclitaxel in Advanced Triple-Negative Breast Cancer: Biomarker Evaluation of the IMpassion130 Study. JNCI. 2021;113(8):1005-1016. doi:10.1093/jnci/djab004
2 Cortes J, Rugo HS, Cescon DW, et al. Pembrolizumab plus Chemotherapy in Advanced Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med. 2022;387(3):217-226. doi:10.1056/NEJMoa2202809
3 Robson M, Im S-A, Senkus E, et al. Olaparib for Metastatic Breast Cancer in Patients with a Germline BRCA Mutation. N Engl J Med. 2017;377(6):523-533. doi:10.1056/NEJMoa1706450
4 Robson ME, Tung N, Conte P, et al. OlympiAD final overall survival and tolerability results: Olaparib versus chemotherapy treatment of physician's choice in patients with a germline BRCA mutation and HER2-negative metastatic breast cancer. Ann Oncol. 2019;30(4):558-566. doi:10.1093/annonc/mdz012
5 Bardia A, Hurvitz SA, Tolaney SM, et al. Sacituzumab Govitecan in Metastatic Triple-Negative Breast Cancer. N Engl J Med. 2021;384(16):1529-1541. doi:10.1056/NEJMoa2028485
6 Modi S, Jacot W, Yamashita T, et al. Trastuzumab Deruxtecan in Previously Treated HER2-Low Advanced Breast Cancer. N Engl J Med. 2022;387(1):9-20. doi:10.1056/NEJMoa2203690
7 Schmid P, Wysocki PJ, Ma CX, et al. Datopotamab deruxtecan (Dato-DXd) + durvalumab (D) as first-line (1L) treatment for unresectable locally advanced/metastatic triple-negative breast cancer (a/mTNBC): Updated results from BEGONIA, a phase Ib/II study. Ann Oncol. 2023;34:S337. doi:10.1016/j.annonc.2023.09.556
8 Lu Y-S, Mahidin E, Azim H, et al. Primary results from the randomized Phase II RIGHT Choice trial of premenopausal patients with aggressive HR+/HER2− advanced breast cancer treated with ribociclib + endocrine therapy vs physician’s choice combination chemotherapy. Cancer Res. 2023;83:Abstract-GS1-10. doi:10.1158/1538-7445.SABCS22-GS1-10
9 Bardia A, Bidard F-C, Neven P, et al. EMERALD phase 3 trial of elacestrant versus standard of care endocrine therapy in patients with ER+/HER2- metastatic breast cancer: Updated results by duration of prior CDK4/6i in metastatic setting. Cancer Res. 2023;83(5_Supplement):Abstract-GS3-01. doi:10.1158/1538-7445.SABCS22-GS3-01
10 Rugo HS, Bardia A, Marmé F, et al. Sacituzumab Govitecan in Hormone Receptor-Positive/Human Epidermal Growth Factor Receptor 2-Negative Metastatic Breast Cancer. J Clin Oncol. 2022;40(29):3365-3376. doi:10.1200/JCO.22.01002
11 Rugo HS, Bardia A, Marmé F, et al. Overall survival with sacituzumab govitecan in hormone receptor-positive and human epidermal growth factor receptor 2-negative metastatic breast cancer (TROPiCS-02): a randomised, open-label, multicentre, phase 3 trial. The Lancet. 2023/10/21/ 2023;402(10411):1423-1433. doi:10.1016/S0140-6736(23)01245-X
12 ESMO Metastatic Breast Cancer Living Guideline: ER-positive, HER2-negative breast cancer. Accessed December, 2023. Available from: https://www.esmo.org/living-guidelines/esmo-metastatic-breast-cancer-living-guideline.