Für die Chefinnen von morgen

Praxistipp
Ausgabe
2024/23
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2024.1404297717
Schweiz Ärzteztg. 2024;105(23):8-9

Publiziert am 05.06.2024

Chefärztinnen-Vereinigung
Maki Kashiwagi und Daniela Zeller haben die Gründung der Chefärztinnen-Vereinigung (Cmws) in die Wege geleitet. Die neue Sektion von Medical Women Switzerland (mws) hat das Ziel, die Chefärztinnen in ihren Positionen zu stärken. Die Vereinigung baut auf gegenseitige Vernetzung, Gleichstellung und Karrieremöglichkeiten.
Die mws-Veranstaltungsreihe «Wie werde ich eigentlich Chefärztin», die Sie initiierten, war der Gründung der Cmws vorausgegangen. Warum braucht es solche Veranstaltungen?
Die Gründungsmitglieder der Chefärztinnen-Vereinigung.
Maki Kashiwagi: Wir wollen in dieser Reihe zeigen, dass es unter den Chefärztinnen völlig verschiedene Persönlichkeiten gibt, damit jede der Teilnehmerinnen ein «Role Model» finden kann. Wir zeigen, dass es keinen vordefinierten Weg gibt, um das Ziel «Chefärztin» zu erreichen, der Wille und die Leidenschaft für das Berufliche vorausgesetzt. Wir können auf diese Weise ermutigen, auch dieses Ziel ins Auge zu fassen.
Wie sieht so eine Veranstaltung aus?
Maki Kashiwagi: In einer Art Sofa-Gespräch referieren die Chefärztinnen nicht, sondern erzählen nahbar über ihren Werdegang. Sie sprechen frei über Stolpersteine und was sie daraus gelernt haben. Es geht darum, wertvolle Erfahrungen weiterzugeben. Wir möchten, dass die Teilnehmerinnen sich inspirieren lassen.
Daniela Zeller: Die Teilnehmerinnen erfahren, worauf es diesen Frauen ankommt. Und es geht darum, Barrieren abzubauen, an diesen Abenden darf alles gefragt werden.
Es scheint also, dass es wichtig ist, verschiedene Vorbilder zu zeigen. Denken Sie, dass es auch darum geht, eine Art Normalität zu schaffen?
Maki Kashiwagi: Absolut. Gemäss FMH-Statistik sind circa 18% der Chefpositionen von Frauen besetzt. Chefärztin werden ist also gar nicht normal. Wir möchten durch Veranstaltungen wie diese einen Beitrag zur Normalisierung leisten.
Frau Zeller, Sie sind Fachärztin Chirurgie, einer Männerdomäne. Was hat sich in der Ausbildung und der Karriere von Frauen in der Medizin verändert?
Daniela Zeller: Früher war es ungewöhnlich, dass Frauen Fachrichtungen mit chirurgischem Schwerpunkt wählten, es wurde empfohlen, Fächer wie Hausarztmedizin oder Pädiatrie zu wählen, da diese als «frauenfreundlicher» galten. Heute gibt es mehr Frauen in der Chirurgie, und sie steigen in leitende Positionen auf. Es hat sich einiges verändert, aber es gibt immer noch viel zu tun.
Glauben Sie, dass Frauen eine andere Förderung benötigen als Männer?
Daniela Zeller: Ja, ich glaube, dass Frauen oft aufgrund der jahrhundertelangen Sozialisierung weniger Selbstvertrauen haben und deshalb gezielt gefördert werden sollten. Persönlich setze ich mich sehr bewusst für die Förderung von Frauen ein, weil ich weiss, wie es sich anfühlt, in einer Männerdomäne zu arbeiten.
Was kann die Ärzteschaft tun, um Chefärztinnen zu fördern?
Maki Kashiwagi: Sie könnte sich dafür einsetzen, dass die Lohnverteilung und die Besetzung der Top-Positionen transparenter erfolgen. Männer und Frauen sollten von leitender Ebene gleichermassen gefördert werden. Ausserdem braucht es mehr sichtbare Vorbilder, die dem weiblichen Nachwuchs zeigen, dass eine Chefinnenposition in Reichweite ist.
Seit der Gründung der Sektion Chefärztinnen ist nun knapp ein Monat vergangen. Welche Erfolge haben Sie erzielt?
Maki Kashiwagi: Wir haben mit positiven Rückmeldungen Aufmerksamkeit für die Cmws, aber auch allgemein für die mws geschaffen. Heute interviewen Sie uns. Ausserdem haben wir rund 200 Follower auf unseren Social-Media-Kanälen gewonnen. Für die Cmws geht es jetzt erst richtig los.
Was wünschen Sie sich für Zukunft der Chefärztinnen-Vereinigung? Haben Sie bestimmte Projekte offen?
Daniela Zeller: Dass die Cmws standespolitisch und in der Öffentlichkeit eine wichtige Stimme wird und die Chefärztinnen durch den Zusammenschluss gestärkt werden.
Dr. med. Maki Kashiwagi Selbstständige Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, gynosense AG, Co-Präsidentin mws
Dr. med. Daniela Zeller Selbstständige Fachärztin für Chirurgie, Zeller-Chirurgie,
Co-Präsidentin mws

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