Salome, die Assistenzärztin

ReMed
Ausgabe
2024/2728
DOI:
https://doi.org/10.4414/saez.2024.1527910163
Schweiz Ärzteztg. 2024;105(27–28):28-30

Affiliations
a Rechtsanwältin, Leiterin Recht und Stv Geschäftsführerin vsao
b Dr. med., Co-Programmleiter ReMed

Publiziert am 17.07.2024

Ärztegesundheit
Für eine optimale und hochwertige Patientenversorgung braucht es gesunde Ärztinnen und Ärzte. Wie aber kann der herausfordernde Berufsalltag einer Ärztin oder eines Arztes in Einklang mit einer gesunden Work-Life-Balance gebracht werden? Wie weiter, wenn diese trotz allem ins Kippen gerät? Der vsao und ReMed zeigen Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten auf.
Überlastet in der Weiterbildung? Das Beispiel von Salome D. ist zwar erfunden, zeigt aber, wo junge Ärztinnen und Ärzte Hilfe erhalten.
© Denis Raev / Dreamstime
Salome D. (fiktive Person) ist Assistenzärztin und arbeitet in einem 100%-Pensum in einer psychiatrischen Klinik. Salome liebt ihre Arbeit als Ärztin, auch wenn Dienstpläne mit zehnstündigen Tagesdiensten eher die Regel als die Ausnahme sind. Aufgrund hoher Arbeitsbelastung – nicht zuletzt wegen dem aktuellen Fachkräftemangel – wird Salome für immer mehr Dienste eingeteilt, als arbeitsvertraglich vorgesehen und gemäss Arbeitsgesetz zulässig sind. Die Dienste sind in deren Anzahl und Inhalt sehr belastend. Hinzu kommen Nachtschichten. Die Überzeit häuft sich und mit den Überzeiten steigt die Müdigkeit von Salome. Salome steht kurz vor einem Burnout und sucht Hilfe. Ein Arbeitskollege rät Salome, sich an ReMed, das ärzteeigene Netzwerk der FMH, zu wenden.

ReMed unterstützt

ReMed bietet in der Schweiz tätigen Ärztinnen und Ärzten in einer Krisensituation eine Beratung durch eine erfahrene Kollegin beziehungsweise einen erfahrenen Kollegen. Im Sinne einer (Erst-)Beratung nimmt ReMed mit der ratsuchenden Kollegin, dem ratsuchenden Kollegen innert 72 Stunden Kontakt auf, versucht die Situation zu verstehen und erarbeitet Lösungen. Auch wenn ReMed von der FMH getragen und finanziert wird, hat die Standesorganisation zu keinem Zeitpunkt Einblick in die Personen- und Betreuungsakten. ReMed ist an das ärztliche Berufsgeheimnis gebunden, ärztliche und administrative Aufgaben sind klar getrennt.

Die Assistenzärztin Salome weiss nun, welche Rechte und welche Pflichten sie gegenüber ihrem Arbeitgeber hat.

Im telefonischen Beratungsgespräch ist Salomé froh, dass sie einer kompetenten, neutralen Person ihre belastende Situation schildern kann. Sie erhält von dieser Anerkennung für den Mut, sich Hilfe zu holen, und ist erleichtert zu hören, dass nicht nur sie, sondern zahlreiche Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung sich wegen Erschöpfung an ReMed wenden. In einer Auslegeordnung werden Entlastungsmöglichkeiten besprochen: Kann sie in einem Gespräch mit den Vorgesetzten Unterstützung suchen? Kann sie Dienste abgeben oder Überzeit abbauen? Ist ein temporärer Wechsel auf eine weniger hektische Abteilung möglich? Salome möchte sich vorerst nicht krankschreiben lassen und ihr Team nicht im Stich lassen, ist aber gleichzeitig auch skeptisch, ob organisatorisch eine Entlastung möglich ist. Ein Follow-up-Gespräch wird nach zehn Tagen vereinbart. Es geht ihr im Verlauf eher schlechter als besser, Entlastung ist nicht in Aussicht, Salome kann schlecht schlafen, geht übermüdet, energielos zur Arbeit, sie kann sich nur noch schlecht konzentrieren. Es ist ihr bei einer Medikationsverordnung ein Fehler unterlaufen, was sie nun zusätzlich belastet. Im zweiten Beratungsgespräch rät die ReMed-Beratende dringend zu einer hausärztlichen Krankschreibung. Für die psychotherapeutische Unterstützung erhält Salome Adressen von Psychiaterinnen und Therapeuten, die mit ReMed zusammenarbeiten und mit ärztlichen Belastungsproblemen vertraut sind.
Salome wurde für zwei Wochen zu 100% arbeitsunfähig geschrieben mit dem Ziel, Schritt für Schritt das Pensum wieder zu erhöhen. Salome möchte so schnell wie möglich wieder zu 100% arbeiten. Sie befürchtet, sonst die Kündigung zu erhalten. Zudem hat sie ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen, die ja ihren Teil der Arbeit nun teamintern aufteilen und Mehrarbeit leisten müssen.

Der vsao berät

Da Salome Mitglied beim Verband der schweizerischen Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (vsao) ist, schlägt die Ärztin von ReMed vor, sich Unterstützung bei diesem zu holen. Salome vereinbart einen Besprechungstermin mit der zuständigen Sektionsjuristin.
Am Besprechungstermin kann Salome ihre diversen juristischen Fragen klären. Sie erfährt, dass sie bei einer Arbeitsunfähigkeit, während einer gesetzlich festgelegten zeitlich begrenzten Sperrfirst grundsätzlich [1] nicht befürchten muss, eine Kündigung zu erhalten [2]. Zudem teilt ihr die Juristin mit, dass es nicht im Verantwortungsbereich von Salome liege, wie die Arbeitslast im Team nun ohne sie organisiert und verteilt werde. Das sei Sache des Arbeitgebers. Sie erfährt aber auch, dass sie bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit eventuell das Weiterbildungsjahr nachholen muss, damit sie die Fertigkeiten und Fähigkeiten einer Fachärztin in aller Sorgfalt erwerben kann [3].

Für betroffene Personen ist wichtig zu wissen, dass sich der vsao und ReMed um ihre Anliegen, Ängste und Sorgen kümmern.

Salome weiss nun, welche Rechte und welche Pflichten sie gegenüber ihrem Arbeitgeber hat. Es geht ihr besser und bald schon kann sie – auch dank der Unterstützung von ReMed und dem vsao – wieder zu 100% arbeiten. Sie möchte nun aber präventiv solche Situationen verhindern, ihr Privatleben besser mit dem Beruf vereinbaren und gleichzeitig ihre Karriere vorantreiben. Die Fachstelle «UND» gibt Salome mittels Telefoncoaching wertvolle Tipps, wie sie sowohl Beruf als auch ihr Privatleben unter einen Hut bringen kann. Dies auch im Hinblick auf eine allfällige Familienplanung. Zudem steht Salome eine Mentorin aus dem Programm «Coach my Career» zur Verfügung. Mit ihr bespricht Salome Fragen betreffend ihre medizinische Karriere.

Melden Sie sich

Die Geschichte von Salome ist erfunden. Sie steht aber exemplarisch für unzählige ähnliche Fälle, denen die Mitarbeitenden des vsao und die Beraterinnen und Berater von ReMed während ihrer täglichen Arbeit begegnen. Leider lassen sich solche Fälle nicht gänzlich vermeiden. Umso wichtiger ist es für betroffene Personen zu wissen, dass sich der vsao und ReMed um die Anliegen, Ängste und Sorgen unserer Ärztinnen und Ärzte kümmern. Es gibt konkrete, bewährte Angebote und Dienstleistungen. Melden Sie sich bei uns – wir helfen Ihnen weiter.

Dienstleistungen vsao

  • Meldestelle: Hier können Missstände am Arbeitsplatz unkompliziert gemeldet werden. Der vsao geht jeder Meldung nach und versucht, Lösungen zu vermitteln (www.meldestelle-vsao.ch).
  • Dienstplanberatung: Der vsao bietet Spitälern, Kliniken und Dienstplanplanerinnen und -planern eine kostenlose Dienstplanberatung an, um die Bedürfnisse von Spitälern und Ärzteschaft optimal aufeinander abzustimmen (www.vsao.ch/dienstplanung).
  • Coach my Career: Das generationenübergreifende Mentoring-Programm von FMH, vsao, VLSS und weiteren Verbänden (www.vlss.ch/karriere/coach-my-career).
  • Rechtsberatung: Für juristische und insbesondere arbeitsrechtliche Fragen können sich vsao-Mitglieder an die kostenlose Rechtsberatung wenden (www.vsao.ch/rechtsberatung).
  • Telefoncoaching: Bei Fragen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben können sich vsao-Mitglieder kostenlos an die Fachstelle UND wenden (www.vsao.ch/telefoncoaching).
  • Workshop und Seminare: Der vsao bietet regelmässig Workshops und Webinare zu verschiedenen Themen rund um Karriereplanung und die ärztliche Weiterbildung an.
  • Die vsao-Dienstleistungen auf einen Blick: www.vsao.ch/dienstleistungen.

Dienstleistungen ReMed

  • Dienstleistungen ReMed: Unterstützung in einer Krise: ReMed nimmt mit der ratsuchenden Kollegin, dem ratsuchenden Kollegen innert 72 Stunden Kontakt auf, versucht, die Situation zu verstehen, und erarbeitet Lösungen. ReMed kann über die 24-Stunden-Hotline 0800-0REMED (0800-073633) oder übers Internet (www.remed.fmh.ch/kontakt.html) kontaktiert werden.
  • Online-Coaching-Gruppen bieten einen idealen Rahmen für einen vertrauensvollen, offenen und persönlichen Austausch über sämtliche belastenden, schwierigen und herausfordernden beruflichen Themen (ONLINE-Coaching-Gruppen, fmh.ch).
  • Praxispraktika: Kollegen können nach einem krisenbedingten Ausfall vor dem Wiedereinstieg in die eigene Praxis verunsichert sein. Mit einem Praxispraktikum bei einer Mentorärztin, einem Mentorarzt können sie wieder Sicherheit und Selbstbewusstsein für die verantwortungsvolle Praxistätigkeit gewinnen (Mentoring und Praxispraktika, www.fmh.ch).
  • Erfahrungsberichte von exemplarischen Beispielen von Ärztinnen und Ärzte, die selbst Krisen erlebt haben (Erfahrungsberichte, www.fmh.ch).
  • Präsentationen anlässlich von Weiterbildungs- und Fortbildungsveranstaltung oder im Rahmen von Fachkongressen.
  • Die ReMed-Dienstleistungen im Überblick: www.remed.fmh.ch.
stadler[at]vsao.ch
1 Gemäss BGE 1C 595/2023 kann bei einer arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit unter gewissen Bedingungen ohne Einhaltung der Sperrfrist gekündet werden.
2 Der Arbeitnehmer ist während der Dauer der Arbeitsverhinderung für eine bestimmte Zeit (Sperrfrist) vor Kündigung geschützt. Eine solche Sperrfrist gibt es jedoch erst nach Ablauf der Probezeit. Das Gesetz (Art. 336c OR) sieht folgende Sperrfristen vor: im 1. Dienstjahr: 30 Tage, im 2. bis und mit dem 5. Dienstjahr: 90 Tage, ab dem 6. Dienstjahr: 180 Tage.
3 Art. 31 Weiterbildungsordnung SIWF.

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