Ein Credo für die suprapubische Ableitung

Briefe / Mitteilungen
Édition
2017/0102
DOI:
https://doi.org/10.4414/bms.2017.05309
Bull Med Suisses. 2017;98(0102):24

Publié le 10.01.2017

Ein Credo für die suprapubische Ableitung

Ich habe den Disput über die suprapubische Ableitung zwischen dem Kollegen Dr. med. G. Bass [1] und der Dr. sc. nat. S. Züllig [2] verfolgt.
Gerade hier liegt der Unterschied, zwischen der Wissenschaftlerin und dem Arzt.
Ich finde, die suprapubische Ableitung wird verteufelt. Sie hat einen viel zu schlechten Ruf, vor allem im Spital.
Ich als Hausarzt mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung habe viele Patienten mit dieser Urinableitung betreut. Aktuell sind es drei. Ich weise die Betroffenen ins Spital für die erstmalige Einlage, da unter Ultraschallkon­trolle der Katheter einfacher und sicherer eingelegt werden kann.
Danach betreue ich alle selber. Mit meiner Ehefr­au, AKP-Krankenschwester, wechsle ich durch den etablierten Kanal alle sechs Wochen auf der «Katheterrunde» die Ableitung und habe nie Probleme. Besonders fehlend sind Infektionen. Die künstliche Öffnung supra­pubisch hat eine Keimbesiedlung ähnlich ande­ren natürlichen Öffnungen, die im Laufe der Zeit ein Gleich­gewicht zwischen Bakterien und Immun­abwehr herstellt.
Die Realität ist so: Welche Ableitung soll der 29-jährigen Tetraplegikerin nach HWS-Fraktur angelegt werden? Ein Dauerkatheter? Was soll die in ihrem Krankheitszustand weit fort­geschrittene MS-Patientin haben: einen DK penal? Wie ist es im Pflegeheim beim immobilisierten Parkinson-Patienten?
Das sind alles Menschen, die eine Qualitätssteigerung ihres ohnehin schwer eingeschränkten Lebens haben.

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