Erinnerungen an Rudolf Knab

Briefe / Mitteilungen
Édition
2017/09
DOI:
https://doi.org/10.4414/bms.2017.05441
Bull Med Suisses. 2017;98(09):273

Publié le 01.03.2017

Erinnerungen an Rudolf Knab

Am 6. Januar 2017 ist Dr. Rudolf Knab, der ehemalige Direktor der psychiatrischen Klinik Rheinau, in seinem 85. Altersjahr verstorben. Obwohl ich nur eine kurze Zeit Gelegenheit hatte, ihm als Oberarzt zu folgen, habe ich 
Dr. Knab noch heute in sehr lebendiger und reiner Erinnerung. Meine Begegnung mit ­Rudolf Knab geht auf meine Assistentenzeit in der Psychiatrischen Klinik Waldau 1966 zurück. Die 60er Jahre, die Zeit meiner Begegnung mit Rudolf Knab, waren für die Psych­iatrie eine Zeit des Umbruchs, der Erneuerung, so wie auch der Ungewissheit über den Erfolg der neuen Ansätze. In der Umgebung von 
Dr. Knab war kein Ort für Konfusion und Methoden­konflikte. Er stand der Entwicklung der Psychiatrie der damaligen Zeit positiv und mit der nötigen Bescheidenheit gegenüber. Er übernahm die neuen Methoden der Psychopharmakologie oder Psychotherapie, aber mit einem gewissen weisen Abstand. Sein Ansatz war die menschliche Beschäftigung mit jedem Patienten und die Achtung desselben, unbekümmert um den Verlauf der Therapie, der von therapeutischer Teilnahme und Optimismus geprägt war.
Viel Zeit wandte er im Kontakt mit seinen ­Assistentsärzten auf, mit denen er gerne während des Rapports ein Gespräch über allgemeine Fragen der Psychiatrie führte. Auch ein schweres sexuelles Vergehen eines seiner Assistenzärzte hat er mit grossem Taktgefühl und Würde behandelt. Die menschliche Beziehungsbereitschaft von Knab war zwar auch in der damaligen Zeit keine Ausnahme, aber gepaart mit seiner Diskretion auch nicht die Regel.

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