Bundesrätlicher Tarifeingriff

Briefe / Mitteilungen
Édition
2017/23
DOI:
https://doi.org/10.4414/bms.2017.05668
Bull Med Suisses. 2017;98(23):721

Publié le 07.06.2017

Bundesrätlicher Tarifeingriff

Aus meiner Sicht gibt es im Gesundheitswesen Gegebenheiten, die eine vernehmliche und vernünftige Lösung der Kostenfrage verunmöglichen.
Tatsachen sind:
1. Die Gesundheitskosten sind aus dem Ruder gelaufen, und wenn es so weitergeht, wird ­unser ganzes Finanzierungssystem kollabieren.
2. Zu viele widersprüchliche Interessen machen es für eine Organisation wie die FMH unmöglich, eine kostenwirksame Lösung auszuar­beiten.
3. Begehrliche Patienten auf der einen Seite, wie Leistungserbringer, die immer mehr Umsatz kreieren müssen und ihre angeschafften Apparate amortisieren wollen, auf der anderen Seite treiben die Kosten unaufhaltsam weiter (wir werden fast täglich Zeuge von übertriebener ärztlicher Diagnostik und Therapie!).
Eine griffige Kostenkontrolle kann darum nur «von oben» verordnet werden, weil sich auch kein Volksvertreter mit diesem Thema die Finger verbrennen will. Solche Massnahmen sind per se undifferenziert und haben viele Mängel, aber sie entsprechen immerhin einem Befreiungsschlag, auch wenn sie nicht viel nützen werden.
Machen wir uns doch nichts vor: Die einzige längerfristig wirksame und (zumindest mehr oder weniger) gerechte Lösung wäre eine ­erhebliche Einschränkung der Leistungen der Grundversicherung in Bezug auf Alter und gewisse Indikationen (z.B. Onkologie, Kardio­logie, Intensivmedizin) und/oder die Einführung eines Globalbudgets. (Ich bin in einem Alter, wo die Einschränkungen bald wirksam würden.)
Unvermeidlich würde dadurch unser Durchschnittseinkommen wie auch die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem (aus Sicht des Pa­tienten) leiden. Aber die Frage ist: Wollen wir Kosten senken oder nicht? Lieber nicht! Wollen wir eine (Mehr-)Klassen-Medizin? Lieber nicht! Darum wird es so weiter gehen bis zum (zumindest Teil-) Kollaps des Systems.

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