Zeitmangel: Was stimmt nicht in der reichen Schweiz?

Briefe an die Redaktion
Édition
2023/08
DOI:
https://doi.org/10.4414/bms.2023.21562
Bull Med Suisses. 2023;104(08):23

Publié le 22.02.2023

Zeitmangel: Was stimmt nicht in der reichen Schweiz?

Sprechzimmerplus und Café Med sollen Antworten auf unwürdige Zustände in der Gesundheitsversorgung sein, insbesondere auf den Zeitmangel. Selbstlos stellen sich pensionierte Ärzte und Ärztinnen im Café Med (offenbar meist ehemalige Chefärzte) unentgeltlich in einem Café zur Verfügung im Sinne einer Sprechstunde. Bei Sprechzimmerplus soll durch Querfinanzierung mehr Zeit zur Verfügung stehen.
Es fällt schwer, etwas zu hinterfragen, was so edel und rein daherkommt. Dennoch muss gefragt werden: Was stimmt nicht in der reichen Schweiz, dass pensionierte Ärzte Gratis-Sprechstunden anbieten müssen? Weshalb wird keine Zeit vergütet, um komplexe Situationen zu besprechen oder Second Opinions zu erbringen?
Wir wissen schon lange: In Patientenumfragen wird am häufigsten der Zeitmangel bemängelt. Ärzte, die sich engagiert Zeit nehmen, werden unter Umständen von der santésuisse finanziell hart abgestraft. Hier sollte das Engagement greifen: Es braucht mehr Ärzte und einen besseren Tarif in der Grundversorgung. Die destruktive Kostenkontrolle muss neugestaltet werden. Solche Grundbedingungen können entscheidende Motivatoren sein für zukünftige junge Ärztinnen und Ärzte.
In «Woher all die Zeit nehmen?» sinniert George Sarpong über diese neuen Formen Sprechzimmerplus und Café Med. Ohne Begründung schlussfolgert er diese Modelle gutheissend, dass sich der administrative Aufwand nicht abbauen liesse. Stattdessen könnte eine Taskforce angedacht werden. Sie sucht Wege der Entlastung oder besser Verhinderung von administrativer Reibungswärme. Die Liste der Schwerpunkte liesse sich mühelos erstellen. Wir erachten es als Aufgabe der Standesorganisationen – im Interesse der Patienten und im Interesse der Ärzteschaft – politischen Druck in Richtung einer patientengerechten Versorgung auszuüben.
Dr. med. René Mégroz, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Winterthur, dipl. med. Marcel Ivan Raas, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie und Psychotherapie, Winterthur

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