Ärztliche Non-Compliance

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Édition
2023/2021
DOI:
https://doi.org/10.4414/bms.2023.21821
Bull Med Suisses. 2023;(2021):0-26

Publié le 17.05.2023

Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Artikel über die «ärztliche Non-Compliance». Er hat mich sehr an eine Publikation über Macht als Gefahr beim Helfer von Adolf Guggenbühl-Craig erinnert [1]. Der Autor beklagt dort die Spaltung des Archetyps Heiler-Kranker und die Aufhebung der Spaltung durch Macht.
Guggenbühl beschreibt auf der einen Seite den «alten Landarzt, der die ganze Familie kennt, keine Macht hat, aber trotzdem alleine mit seinem Erscheinen die fiebrigen Kinder beruhigt, der schäbige, zerknitterte Kleider trägt, oft etwas zum Alkoholismus neigte und versuchte, durch den Alkohol der ungeheuren Spannung auszuweichen, unter der er als Mann, der dauernd beide Pole des Archetyps erlebte, litt. Aber er hatte keinen Grössenwahn, er war der gute, verwundete Arzt».
Der Autor beklagt die Tatsache, dass der heutige Arzt (1971) nicht mehr fähig ist, seine eigenen, inneren Wunden und seine eigenen Krankheitsmöglichkeiten zu sehen, sondern das Kranke nur noch im anderen sieht.
So distanziert er sich von seiner Schwäche, hebt sich in die Höhe und degradiert den Kranken. Er wird ein «mächtiger Mann» durch ein psychologisches Versagen – nicht durch Stärke.
Dabei könnte das Ansprechen des «inneren Arztes» im Kranken einen grossen Effekt haben und mehr bewirken, als wenn der Archetyp des Arztes gespalten und die kranken Seiten auf den Patienten verschoben und dort in sadistischer Art und Weise behandelt werden.
Dr. med. Fritz J. Ramseier, Psychiatrie und Psychotherapie, Rheinfelden
1 Adolf Guggenbühl-Craig «Macht als Gefahr beim Helfer» 1971. Psychologische Praxis 45; 4. unveränderte Auflage 1983 S. Karger Basel

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